Sonderbericht Griechenland

  • Wie ist eine Pleite Griechenlands einzuschätzen?
  • Welche Folgen sind an den Kapitalmärkten zu erwarten?

Mit dem Scheitern der Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Gläubigern ist eine Insolvenz Griechenlands sehr viel wahrscheinlicher geworden.
In den kommenden Tagen werden neben einer fälligen Kreditrate in Höhe von 1,6 Mrd. Euro an den Interna-tionalen Währungsfonds IWF auch die monatlichen Löhne und Gehälter an die Staatsbediensteten fällig. Nach Expertenmeinung stehen hierzu keine ausreichenden Mittel mehr zur Verfügung.
Die griechische Regierung versucht, mit der Schließung der Banken in dieser Woche und den verhängten Kapitalverkehrskontrollen, den sofortigen Kollaps des griechischen Bankensystems zu verhindern.
In wieweit diese Schritte dazu ausreichen werden, muss bezweifelt werden, da die Europäische Zentralbank am gestrigen Sonntag beschlossen hat, den Rahmen ihrer ELA-Notfallkredite an Griechenland nicht weiter auszuweiten.
Das am kommenden Sonntag stattfindende Referendum ist aus unserer Sicht eine Farce. Warum?
- innerhalb weniger Tage muss das Referendum organisiert werden (die Griechen sind nicht als die Organisationstalente bekannt)
- die Durchführung eines Referendums kostet Geld (was die Griechen nicht haben)
- den Abstimmungsberechtigten muss verständlich gemacht werden, über was sie genau entscheiden (Vorschläge der Gläubiger müssen erst ins griechische übersetzt werden)
Nach den ersten Umfragen ist das Ergebnis des Referendums offen. Doch sollte jedoch den Banken bei-spielsweise im Wochenverlauf das Geld ausgehen und die Bankomaten leer sein, kann die Stimmung zu Gunsten der (negativen) Tsipras-Empfehlung kippen.
Stimmt jedoch die griechische Bevölkerung für die Vorschläge der Gläubiger, ist die Regierung von Minister-präsident Tsipras nicht länger haltbar. Neuwahlen wären dann die wahrscheinlichste Folge, das Chaos im Land bliebe erst einmal bestehen. Möglicherweise würden dann Seitens der Gläubiger positive Signale aus-gesendet werden.
Gesamtwirtschaftlich gesehen spielt Griechenland eine nur sehr untergeordnete Rolle. Unternehmen außer-halb Griechenlands mit geschäftlichen Verflechtungen zu dem Land sollten sich in den vergangenen Jahren bereits so positioniert haben, dass sie von den jüngsten Entwicklungen nicht überrascht werden sollten.
Das Land hat keine nennenswerte Exportindustrie, unter einer endgültigen Insolvenz Griechenlands würde in erster Linie die griechische Bevölkerung leiden.An diesem Morgen waren die ersten Reaktionen an den Kapitalmärkten noch sehr moderat. Bundesanleihen profitierten, Staatsanleihen der Peripherie kamen etwas unter Druck. An den Aktienmärkten hätten die jüngs-ten Entwicklungen noch vor wenigen Jahren zu einem nachhaltigen Aktien-Crash geführt, nun gab bei-spielsweise der DAX nur die Gewinne der vorangegangenen Tage wieder ab.

In den kommenden Wochen ist von einer erhöhten Volatilität an den Märkten auszugehen, die unseres Er-achtens sehr gute Gelegenheiten zum Einstieg bzw. Wiederanlage bieten. Von diesen Schwankungen darf man sich keinesfalls verunsichern lassen, es gilt der „altbewährte“ Leitspruch: Panik ist ein schlechter Rat-geber.

Wir sehen uns in unserer Einschätzung bestätigt, dass eine Insolvenz Griechenlands in den Märkten bereits eingepreist ist. Gesamtwirtschaftlich wären die Folgen überschaubar und beherrschbar. Die Gefahr eines Übergreifens auf andere Peripherieländer sehen wir nicht, da dort die in den vergangenen Jahren eingeleite-ten Maßnahmen auch die erhofften Fortschritte gebracht haben. (z.B. Spanien, Portugal, Irland).

Die Europäische Zentralbank EZB steht auch weiterhin mit all ihren bewährten Instrumenten bereit, um bei Bedarf unterstützend ins Geschehen eingreifen zu können.

Ebenfalls sehen wir keinen Grund zur Sorge bezüglich unserer Euro-Währung. Bis zum Jahresende sehen wir den Wechselkurs EUR/USD in einer Schwankungsbreite zwischen 1,05 bis 1,15.
QUELLE: Moventum SCA

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